02/06/2024 | Nachrichten | Nachhaltigkeit, Praxisfuehrung und Strahlenschutz

Mobilität neu denken

BZBplus-Serie: Nachhaltigkeit konkret, Teil 5

Was macht eine ökologisch nachhaltige Praxisführung aus? Die meisten werden zunächst an eine papierlose Patientendokumentation, Abfalltrennung in der Praxis oder den sorgsamen Umgang mit Ressourcen wie Wasser und Strom denken. Tatsächlich gehen jedoch aktuellen wissenschaftlichen Studien zufolge fast zwei Drittel (64,5 Prozent) der CO2-Emissionen in der Zahnmedizin auf die An- und Abreise zurück – des Personals ebenso wie der Patientinnen und Patienten. Um den ökologischen Fußabdruck einer Praxis effektiv zu senken, lohnt es sich hier anzusetzen.

In der Stadt mit dem Rad, auf dem Land mit dem E-Auto

Um den Umstieg vom herkömmlichen Auto auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu fördern, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten: Zuschüsse für Mitarbeiter beim Neukauf eines Fahrrads oder E-Bikes, E-Bike-Leasing, die Überlassung eines steuervergünstigten Jobtickets und mehr. Im städtischen Umfeld bieten das Fahrrad oder der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) für die Anfahrt zur Praxis meist eine gute Alternative. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass bei einer Fahrstrecke von fünf Kilometern im Stadtverkehr Fahrräder sowie E-Bikes anderen Verkehrsmitteln in puncto Schnelligkeit überlegen sind. Zudem hat der Umstieg auf das Fahrrad positive Effekte auf die Gesundheit der Mitarbeitenden und zusätzliche Arbeitgeber-Leistungen steigern die Attraktivität des Unternehmens bei der Suche nach Fachkräften.

In Kleinstädten oder auf dem Land, wo meist größere Entfernungen zu bewältigen sind und der ÖPNV weniger gut ausgebaut ist, kann die eigene Anschaffung oder ein Zuschuss zu einem E-Auto für Mitarbeiter überdacht werden. Hier gibt es nach wie vor steuerliche Vergünstigungen (zum Beispiel Kfz-Steuer-Befreiung). Wird das Fahrzeug mit Ökostrom oder Energie aus der eigenen Photovoltaik-Anlage betrieben, ist dies für die Umwelt ein zusätzliches Plus.

Anreize für die Mobilität mit dem Fahrrad schafft auch die gemeinsame Teilnahme an Mitmach-Aktionen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ oder beim „Stadtradeln“. Das stärkt zudem das Miteinander als Praxisteam. Sichere, möglichst überdachte Fahrradabstellplätze sind wichtig, wenn Praxismitglieder dauerhaft auf das Zweirad umsteigen sollen. Ist in den Praxisräumen eine Dusche vorhanden, kann dies als weiterer Vorteil verbucht werden.

Was für das Praxisteam in Sachen Anreise gilt, ist auch für die Patientinnen und Patienten ein wichtiger Aspekt. Informationen auf der Website oder am Empfang zur Erreichbarkeit der Praxis mit dem ÖPNV, über Fahrradabstellplätze oder Ladesäulen für E-Autos in der Umgebung (häufig verbessert das auch die Parkmöglichkeiten) sollten nicht fehlen. Über ein optimiertes Terminmanagement lassen sich zusätzlich unnötige Fahrten vermeiden, indem Termine zusammengelegt werden, wo dies unter behandlungstechnischen Aspekten möglich ist, oder für absehbare Behandlungsmaßnahmen genügend Zeit eingeplant wird.

Mobiles Arbeiten ermöglichen

Weniger Fahrten lassen sich auch im Praxisalltag integrieren. Aufgaben wie beispielsweise die Abrechnung können im Homeoffice ausgeführt werden. Finden Teambesprechungen als Webmeeting statt, müssen Teilzeitkräfte nicht extra anfahren.

Bedingt durch die Corona-Pandemie wurden zahlreiche Fortbildungen digital oder hybrid angeboten – eine Maßnahme, die sich zwischenzeitlich erfreulicherweise in vielen Bereichen durchgesetzt hat. Neben dem ökologischen Effekt spart dies für das Praxisbudget Übernachtungskosten und begrenzt den Zeitverlust. Werden Reisen zu Kongressen oder Fortbildungen in Präsenz dennoch unternommen, kann die Anreise umweltfreundlich mit der Bahn geplant werden.

Materialmanagement optimieren

Allerdings müssen nicht nur Personen zur Praxis transportiert werden. Deshalb lässt sich die CO2-Bilanz auch beim Materialmanagement optimieren – und dabei Kosten sparen. Durch Sammelbestellungen von Verbrauchsmaterialien oder von Großpackungen (Achtung: Verfallsdatum im Blick behalten! Siehe BZBplus 11/2023) werden Transportwege wie auch Verpackungsmüll reduziert.

Auch die Wahl von Laboren oder Lieferanten in der Region reduziert Fahrten. Viele Produkte haben beinahe eine Weltreise bis zur Praxis hinter sich. Ebenso sollte die digitale Kommunikation im Bestellwesen eine Selbstverständlichkeit sein.

Download Artikel und Checkliste: Mobilität neu denken

Artikel aus dem BZBplus 1-2/2024 als PDF (196 KB)

Checkliste aus dem BZBplus 1-2/2024 als PDF (31 KB)

BZBplus-Serie: Nachhaltigkeit konkret

BZBplus-Serie: Nachhaltigkeit konkret

Teil 1: „Klimakrise kann die Chance für eine bessere Zukunft sein – wenn wir handeln“
BZBplus 9/2023, S. 15-16

Teil 2: Abfallmanagement: Vermeiden kommt vor dem Entsorgen
BZBplus 10/2023, S. 17-18

Teil 3: Eine Frage des Materials
BZBplus 11/2023, S. 17-18

Teil 4: Einsparpotenzial bei Energie und Wasser erkennen
BZBplus 12/2023, S. 17-18

Teil 5: Mobilität neu denken
BZBplus 1-2/2024, S. 17-18

Teil 6: Die Umsetzung ist Teamsache
BZBplus 3/2024, S. 14-15

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